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Bad Pfäfers

 

Das Bad Pfäfers

 

Die Taminaschlucht mit dem Bad Pfäfers und der weltbekannten Thermalquelle, wo das berühmte Pfäferser Thermalwasser entspringt, liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Pfäfers. 

Nach einer Legende soll um 1038 die Thermalquelle in der Taminaschlucht von Karl von Hohenbalken entdeckt worden sein. Sie geriet aber wieder in Vergessenheit.

Um 1242 entdeckten die Klosterknechte Thuoli und Vils unter Abt Hugo von Villmergen die vergessene Therme erneut. In diesem Jahr wurde erstmals in der Schlucht gebadet. Die ersten Einrichtungen waren noch elend, es mag wohl ein Obdach und eine Gelegenheit zum Baden vorhanden gewesen sein, aber noch kein Wohnhaus. Die Bäder waren in den Fels geschlagene Nischen. Darin sollen bis zu 60 Personen bis zu einer Woche ununterbrochen gebadet haben. Der Zugang zu den Bädern war schauerlich. Die Badenden wurden mit Seilen in Körben in die Schlucht hinabgelassen.

1350 errichtete Fürstabt J. v. Mendelbüren in der Felsenhalle ob der Tamina das erste Badehaus.

Um 1380 wurden die sogenannten schwebenden Bäder für ca. 300 Gäste erbaut. Sie ruhten auf hölzernen Tragbalken, die in den Felsen eingerammt waren, mitten über der Tamina, mehr als 100 Fuss über dem tobenden Wildwasser. Der Zugang war schauerlich, über Seile und hängende Leitern. Schwindelbehafteten Kranken wurden die Augen verbunden und sie wurden auf einem Sessel befestigt mit Seilen ins Bad gebracht.

1420 errichtete Fürstabt Werner v. Reitnau ein neues Badehaus und legte als Zugang einen neuen Felspfad an.

Unter Fürstabt Russinger (1517 - 49) wurde ein zweites Badehaus erstellt. 1543 wurde der Zugang verbessert. Die sogenannte Valentinsstiege, eine 250 Fuss lange Holztreppe entlang der nördlichen Wand wurde erstellt. Sie war zwei bewaffnete Männer breit und mit einem Geländer und abschliessbarem Tor versehen. Oben teilte sie sich in zwei Arme, ein Weg führte zur Valenserseite, der andere endete an der Felsentreppe nach Pfäfers. Am Fusse der Holzstiege (durch eine hölzerne Brücke zugänglich) wurde in einer früher als Keller dienenden Felsgrotte eine erste Kapelle für ca. 12 Personen errichtet (Maria Magdalena Kapelle). Das Glöcklein wurde jeweils den Abgehenden geläutet, damit sie das Bad nicht verliessen, ohne Gott gedankt zu haben. Zu dieser Zeit bestanden zwei Badegebäude, fast übereinander gebaut, von einer Felswand zur andern auf Querbalken ruhend. Das untere enthielt drei, das obere fünf Stockwerke mit vielen Zimmern und drei grossen Bädern. Zu dieser Zeit besuchten berühmte Gäste, so Kaiser Maximilian, Ritter Ulrich von Hutten, Huldrich Zwingli und Paracelsus das Bad.

1535 erschien die Schrift  "Vom Ursprung und Herkommen des Bads Pfeffers in der Ostschweitz" von Paracelsus. Diese Schrift machte das Bad weit herum bekannt.

Im Winter 1627 wurde das obere Badehaus (5 Stöcke) durch Eis und Felsstürze beinahe ganz zerstört, ebenfalls die erste Kapelle am Fuss des Steges. In einer Errosionshöhle wurde daraufhin eine neue Kapelle gebaut.

Zur Zeit der in der Ostschweiz heftig grassierenden Pest (1629), die viele Tausende wegraffte und ganze Ortschaften verödete, waren die Badehäuser mit Besuchern überfüllt, die vor der schrecklichen Seuche fliehend hier Schutz suchten und fanden, denn von allen starb keiner daran. Viele blieben auch über den Winter in dieser abgeschlossenen Wildnis, bis aus Unvorsichtigkeit beim Heizen das untere der zwei Badehäuser abbrannte. Es wurde durch einen notdürftigen Neubau wieder ersetzt.

1630 erfolgte die Erstellung einer Teuchelleitung bis ca. 350 m ausserhalb der Therme (Baumeister Johann Zeller aus dem Allgäu) und der Bau eines neuen Badegebäudes, mit 50 Zimmern und 70 Betten. Es wurde am 19. Mai 1630 durch Abt Jodok Höslin mit einem grossen Fest eingeweiht.

Am 10. Januar 1631 wurden die Reste der alten Badehäuser durch einen Felssturz total zerstört. Die Quelle floss drei Monate, bis am 14. April, nicht mehr. Ebenfalls 1631 erschien die erste Badeordnung für das Bad Pfäfers (Kolwecken).

1704 erteilte der Abt den Auftrag für einen Neubau des Wirtshauses im Bad. Baumeister war Meister Andreas Matzenkopf aus dem Tirol. Das alte Badehaus wurde im November 1711 geschleift, wofür den Valenser „Männern und Weibern“ samt den Zimmerleuten 119 Gulden bezahlt wurden. Die Valenser Meitli bekamen für Sandgraben, Ziegel- und Tischtragen 20 Kreuzer.

Am 2. September 1716 wurde das neue stattliche, heute noch bestehende Badehaus mit Kapelle durch Abt Bonifaz II feierlich eingeweiht. Es besass 163 Gästezimmer, eine Metzgerei und eine Sägerei.

1740 baute Abt Bonifaz Pfister von Tuggen den grossen Saal im Badehaus und erhöhte den Querflügel.

1799 verwüsteten plündernde Franzosen das Bad.

1810 bestand das Hauspersonal im Bad Pfäfers gewöhnlich aus dem Direktor, dem Arzt und sechzehn Dienstboten. In allem herrschte die grösste ländliche Einfachheit. Die meiste Abwechslung bewirkte der Sonntag, wo es im Bad von Landleuten und Städtern der Umgebung wimmelte, die sich auf alle Weise zu ergötzen suchten.

1826 waren 300 bis 400 Personen im Bad Pfäfers, welche unter ärztlicher Begleitung eine Kur machten. Dazu kamen noch etwa 200 Landleute und etwa 200 Begleitpersonen.

1838 wurde das Kloster Pfäfers vom Kanton St. Gallen aufgelöst. Der Kanton nahm die Quelle und das Bad in seinen Besitz.

Im Winter 1838/39 wurde von Ragaz ins Bad Pfäfers eine Strasse gebaut. Ebenfalls wurde eine Teuchelleitung für das Thermalwasser zum Hof in Ragaz (ehemalige Meierei des Kloster Pfäfers) verlegt. Am 31. Mai 1840 sprudelte vor dem Hof Ragaz das Thermalwasser aus den hölzernen Teucheln. Es wurde mit Kirchenglocken, Freudenschüssen und einem grossen Volksfest begrüsst. Das Bauerndorf Ragaz wurde zum Kurort. Bei der Eröffnung wies der Hof etwa 30 schön dekorierte, möblierte Zimmer, Klavier, Billard etc. auf. 112 Kurgäste und 149 Durchreisende besuchten 1840 den Hof. Nebst dem Hof  war in Ragaz noch das Hotel Tamina in Betrieb. Ausserdem hatte es zwei Tavernen "Zum wilden Mann" und " Zu den drei Mohren". Das Bad Pfäfers verfügte 1840 über 300 Betten.

1858 brachte die neu erstellte Eisenbahn Ragaz Aufschwung und viele neue Gäste. Die Gästezahl im Bad Pfäfers stieg von 426 im Jahre 1857 auf 650 in Jahre 1858.

Auch das Taminatal wollte profitieren. 1870 wurde erwogen, von Pfäfers ins Bad eine Fahrstrasse zu bauen.

1893 wurde eine Drahtseilbahn von Vaschnäris (hinter Pfäfers) ins Bad geplant.

Diese Projekte und auch ein Lift von Ragol ins Bad wurden leider nie realisiert.

1913 brannte im Bad Pfäfers zum ersten Mal elektrisches Licht.

1969 wurde der Badebetrieb im Bad Pfäfers eingestellt und in die neu erstellte Bäderklinik Valens verlegt.

1974 wurde im Bad Pfäfers das hintere Haus samt den historischen Badestuben abgebrochen. Der Kanton St. Gallen plante, das vordere Haus ebenfalls abzubrechen.

1975 suchte die neu gegründete "Vereinigung der Freunde Bad Pfäfers" zusammen mit den Gemeinden Ragaz und Pfäfers sowie dem Kanton St. Gallen nach Möglichkeiten, den Rest des historischen Baudenkmals im Bad Pfäfers zu erhalten.

1982 übernahm die neu gegründete Stiftung "Altes Bad Pfäfers" die Trägerschaft der Gebäudeanlage.

1983/85 erhielt das alte Bad Pfäfers durch eine umfassende Restaurierung sein altes Aussehen zurück. Es wurde einen Stock tiefer gesetzt und renoviert.

Tracht einer Bediensteten im Bad Pfäfers ca. 1836.

Johanna Spyri schreibt in der Erzählung „Heidis Lehr- und Wanderjahre“, dass Heidi mit ihrer Tante Dete in Pfäfers bei der alten Ursel gelebt habe, bevor Heidi auf die Alp gebracht wurde. Tante Dete habe im Bad unten (Bad Pfäfers) gearbeitet.

  

 

Die Mär vom weltberühmten Ragazer Thermalwasser

Das Grand Resort in Bad Ragaz macht seit kurzem auf ihrer Webseite und anderswo kräftig Werbung mit dem weltberühmten Ragazer Thermalwasser. Auf dem Gebiet der Gemeinde Ragaz entspringt jedoch nirgends eine Thermalquelle. Es handelt sich hierbei um das seit Jahrhunderten berühmte Pfäferser Thermalwasser.

1535 erschien die Schrift  "Vom Ursprung und Herkommen des Bads Pfeffers in der Ostschweitz" von Paracelsus. Diese Schrift machte das Bad weit herum bekannt.

Gemäss alten Schriften und Berichten wurde das weltberühmte Pfäferserwasser schon in alten Zeiten in Flaschen abgefüllt und in alle Welt verschickt. In allen alten Schriften und Berichten ist immer wieder vom weltberühmten Pfefferserwasser die Rede und nirgends von Ragazer Thermalwasser. 

 

Depot der ächten Mineral Wasser u. a. Pfeffers, Drogerie Friedli in Bern 1862

Es ist sehr bedauerlich, dass eine Firma wie das Grand Resort in Bad Ragaz, die sich selbst als weltführend bezeichnet, sich derart mit fremden Federn schmücken und mit solchen Fakes Werbung betreiben muss. Laut Webseite der Grand Resort Bad Ragaz hat das weltberühmte „Ragazer Thermalwasser“ sogar eine internationale Auszeichnung (5 Sterne) bekommen. Es heisst dort u.a. ein „gelehrter Mikrobiologe und Wasserwissenschaftler“ habe sich eingehend mit den inneren Werten des Ragazer Thermalwasser beschäftigt. Es fragt sich was das für "Wissenschaftler" sind und was solche Auszeichnungen wert sind. Und als Höhepunkt steht geschrieben, das Ragazer Thermalwasser habe eine jahrhunderte alte Bade- und Heiltradition. Derweil war Ragaz ja bis 1840 ein armeseliges und unbedeutendes Bauerndorf.

Die Taminaschlucht mit der Thermalquelle und dem alten Bad Pfäfers liegt auf dem Gebiet der Politischen Gemeinde Pfäfers. Die Thermalquelle auf dem Gebiet der Ortsgemeinde Pfäfers. Die Ortsgemeinde Pfäfers ist stolz auf die weltberühmte Thermalquelle in der Taminaschlucht und das daraus entspringende seit Jahrhunderten bekannte Pfäferser Thermalwasser.